Reichenbach
Auszüge aus der Ortsgeschichte von Reichenbach
1248 Reichenbach wurde erstmals urkundliche erwähnt.
Der Ort entstand als typisches Walhufendorf während der deutschen Ostkolonisation.
1436 Erstmalige Erwähnung von Reichenau in einer Urkunde
311 Einwohner (Stand 31.12.2025)
Historisches
Als 1006 Kaiser Heinrich II. das Bistum Meißen mit den 3 Burgwarden Göda, Ostro, und Drebnitz belehnte, war dies der Anfang vom großen Landbesitz, der später dem Bistum in der Lausitz zu Eigen und Lehen gehörte. Die historische Westgrenze wurde im nördlichen Teil der teilweise versumpften Pulsnitz gebildet, dass viele Orte, darunter Pulsnitz, Lichtenau, Reichenbach, Reichenau, Königsbrück und Krakau eine markgräflich Meißner- und eine Oberlausitzer Seite hatten. Diese Teilung gibt es auf der Reichenbacher Flurkarte heute noch.
Während der Bauernbesiedlung zum Ende des 12./Anfang des 13. Jahrhunderts entstanden die Waldhufendörfer, deren Anlegung vom Landesherrn einem Siedlungsführer übertragen wurde. Diese Dorfanlage ist typisch für die Rheinfranken. Nach Aufzeichnung in der Kirchengalerie, Diözese Kamenz, bestand Reichenbach schon 1086. In dieser steht, dass Herzog Wratislaw II. von Böhmen in der Stadt Krywitsch (Königsbrück, anfangs Königsburg, später Konigsbrucke) eine Kirche erbaute und im Zeitraum von 1086 – 1092 auch in Reichenbach. Somit muss das Dorf schon bestanden haben, da sonst keine Kirche gebaut worden wäre.
Laut einer Stiftungsurkunde des Klosters Sankt Marienstern wurde der Ort am 13.10.1248 erstmals urkundlich mit Namen Richenbach erwähnt. 1476 wurde aus Richenbach schließlich Reichenbach.
1420 wird Hans von Schönberg mit den drei halben Dörfern Reichenau, Ober- und Niederlichtenau neu belehnt und kauft im Jahr 1440 auch die beiden Hälften von Reichenbach. Nach dem „Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen“ war Reichenbach 1445 Rittersitz und vorher Herrensitz. 1842 brennt das Rittergut, mit Ausnahme der Schäferei, ab.
Reichenbachs Bewohner sind entweder in der Landwirtschaft tätig, gehen in die Jutespinnerei oder arbeiten in den Steinbrüchen.
Von 1429 bis 1432 wüteten die Hussiten in der Gegend. Eine Hussitenbande wollte die Reichenbacher Kirche mit Spießen, Schwertern, Streitkolben Äxten und Mauernbrechern bewaffnet, zerstören. Aber die Bauern bewaffneten sich mit Sensen, Heu- und Mistgabeln, Stangen sowie Knitteln, konnten sie verjagen und ihre Kirche vor der Zerstörung retten.
Auch Reichenbach hatte unter dem 30-jährigen Krieg (1618 – 1648) zu leiden. Tauschende Dörfer lagen in Schutt und Asche. Von 1631 – 1634 forderte die Pest in Reichenbach zusätzlich 267 Tote.
Im Jahr 1894 wurde mit dem Bau einem neuen Schulbau begonnen, da das alte Schulgebäude aus 1717 baufällig war. Die Einweihung der Schule erfolgte am 07.07.1895 (heute: Sächsisches Rassegeflügelmuseum).
1908 wird eine Pflichtfeuerwehr gegründet so welcher alle männlichen Einwohner vom 23. bis 50. Lebensjahr gehören.
Kurz vor Ende des 2. Weltkrieges mussten auch in Reichenbach widersinnige und völlig zwecklose Befehle ausgeführt werden. So wurde an der Jutespinnerei eine Brücke über den Haselbach gesprengt oder durch einen Volkssturm eine Straßensperre gebaut, welche das Vordringen der russischen Panzer aufhalten sollte. Die zum Teil nicht mehr wehrfähigen Männer, die nur schlecht bewaffnet und öfters ohne Munition mit einer Panzerfaust für mehrere Männer dastanden, sollten sich als Partisanen den Kugeln gut bewaffneter Feinde aufsetzen, um Hitler und seinen engsten Vertrauten das Leben um Stunden zu verlängern, während die SS in Reichenbach aus Mangel an Munition sich absetzen musste. In der Nacht vom
20. auf den 21. April 1945 kam das erste Mal eine starke Abteilung der Roten Armee aus Richtung Bischheim/Häslich nach Reichenbach. Die gesamte Bevölkerung flüchtete mit Handwagen und Kuh- und Pferdegespann in die nahen Waldungen. Nach reichlich 8 Tagen kehrten sie in den Ort zurück.
Nach einem Gemeinderatsbeschluss vom 31.05.1948 erfolgte der Turmabbruch des Herrenhauses auf dem ehemaligen Rittergut. Es werden das Gemeindeamt, die Post, die Schulküche, der Schulhort, zwei Klassenzimmer und mehrere Mietwohnungen dort untergebracht.
Am 01.01.1994 werden die Orte Reichenbach und Reichenau im Zuge der Gemeindereform zusammengeschlossen.
Text und Bilder aus der Chronik „Reichenbach Teil 1 und 2“
zusammengetragen nach Quellen bearbeitet und aufgestellt von Georg Zschoch, Oberlehrer i.R., begonnen: Juli 1961, beendet: Februar 1964









