Gersdorf

Die geschichtliche Entwicklung von Gersdorf

Gersdorf ist ein klassisches Straßendorf mit Waldhufenflur. Der Ort ist in der Phase der Ostexpansion um 1170 entstanden. 28 Bauernstellen sind damals abgeteilt worden, die Einwohnerzahl wird mit etwa 140 Personen angenommen. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgt 1225. In dieser Schrift wird ein „blebani“ (=Pfarrer) namens Gotfridus de Gerlagesdorf erwähnt.

 

Der Ort unterstand einer Lehnsherrschaft, verwaltete sich aber selbst und besaß eigene Gerichtsbarkeit. Jeder Bauer hatte eine Hufe mit etwa 25 ha Land, so auch der Pfarrer. Nur der Siedelmeister, der als Torbauer bekannt wird, durfte eine Doppelhufe haben. Die Forderungen des Adels an Erbzins und Frondiensten waren anfangs noch gering. Die Lage verschlechterte sich durch den Hussitenkrieg. 1429 soll Gersdorf völlig niedergebrannt worden sein; urkundliche Beweise darüber fehlen aber. Laut Urbar von 1616 (=Abgaben und Zinsregister) leben im Ort 24 Bauern, 6 Gärtner (=Wirtschaften), davon ein Kretzschmar (=Gastwirt), ein Müller und 4 Häusler. Ein Häusler ist Schmied.

 

Von 1618 bis 1648 tobt der 30jährige Krieg im Land, Truppendurchzüge verrohter Soldaten und die Pest raffen die Dorfbewohner dahin. Bauerngüter verwaisen, Felder liegen brach, die Bevölkerung stirbt um ein Drittel aus.

 

Diese Gelegenheit nutzen die Feudalherren und bilden auf den geschwächten und verwaisten Bauernstellen Vorwerke. Die Herrschaft von Wohla errichtet das Vorwerk Niedergersdorf und die Herrschaft von Rehnsdorf Obergersdorf. Beide Vorwerke werden später zu Rittergütern erhoben, die aber in ihrer Größe bescheiden blieben. 1684 wird der Ort Gersdorf in Ober- und Niedergersdorf geteilt. In der Folge werden die Abgaben ständig erhöht. Zwischen den Lehnsherren und der Landbevölkerung nehmen wir die Reibereien und Prozesse stetig zu; die bäuerliche Gerichtsbarkeit wird bedeutungslos. Um 1680 erscheinen im Ort die ersten Leinweber, später kommen die Bandmacher hinzu. Gersdorf wird ein richtiges Weberdorf. Bis 1850 folgen noch elf andere Berufsgruppen. Die Zahl der Häuser, die gebaut werden, steigt ständig. Sie entstehen meist auf der Dorfaue.

 

1750 finden wir 60 Häuser im Ort und 1850 bereits 141. Die Einwohnerzahl nimmt auch zu, 1850 werden 892 Personen gezählt. 

Postkarte von Gersdorf

Schon aus dem Jahr 1664 sind Ausgaben für ein Schulhaus bekannt. Es handelt sich um das sogenannte Rennau`sche Haus, dass das Geburtshaus der Mutter Ernst Rietschels ist. 

Geburtshaus der Mutter von Ernst Rietschel

Unweit davon stand bis 1902 die alte Pfarre, in der die Mutter von Gotthold Ephraim Lessing das Licht der Welt erblickte. Der Ortsmittelpunkt mit Kirche, Pfarre, Schule und Brauschänke war auch das kulturelle, geistige Zentrum. 1829 wird allerdings ein neues einstöckiges Schulhaus an der Elstraer Straße errichtet, was nicht lange Bestand hat und schon 1863 neu erbaut werden muss.

Geburtshaus Mutter Lessings, 1902 abgerissen
Aufnahme unter der Kirchlinde etwa 1935 FFW Gersdorf

Das Jahr 1832 wird für die Bauern ein ereignisreiches, sie können sich von ihren Abgaben und Diensten freikaufen. Das bringt ihnen für die Bewirtschaftung der Felder und für die Tierhaltung großen Nutzen.

 

Ab 1850 beginnt der industrielle Steinabbau in unserer Region. Hausweber wandern in die Steinbrüche der Umgebung; die Arbeit ist zwar hart aber lohnender. Andere finden Beschäftigung in den Industrieorten Kamenz, Pulsnitz und Großröhrsdorf. Die 1871 eingeweihte Eisenbahnstrecke Radeberg-Kamenz begünstigt, in diese Orte zu gelangen. Indes nimmt die Hausweberei in Gersdorf rapide ab. 

 

Vor 1900 bis zum 1. Weltkrieg ist die Zeit der Vereinsgründungen. 1905 informiert sich auch die Freiwillige Feuerwehr Gersdorf. Die Geselligkeit in den Vereinen und auch in der Feuerwehr nimmt nun einen bedeutenden Platz ein. Man muss darin auch eine kulturelle Bereicherung sehen.

Ausgebranntes Gotteshaus 1945

Beide Weltkriege hemmten die Entwicklung und brachten in fast jedes Haus großes Leid. Durch die Kriegswirren brannte am 20. April 1945 die Dorfkirche mit ihrem schönen Dachreiter ab. Die Bodenreform hatte für Gersdorf nur eine Randbedeutung, weil die beiden Rittergüter nicht aufgeteilt wurden. Mit der Gründung der LPG im Jahre 1953, die die Großraumwirtschaft einleitete, zerschnitt man eine einzelbäuerliche Betriebsweise, die seit der Besiedlung Bestand gehabt hatte. Neue landwirtschaftliche Bauten prägen nun das Gesicht des Ortes.

 

Am 14 Februar 1958 besiegelten die Gemeindevertreter von Möhrsdorf mit 7 zu 3 Stimmen den Zusammenschluss der Gemeinden Gersdorf und Möhrsdorf. 

 

In DDR-Zeiten entstanden ein neues ansprechendes Schulhaus (1963), 9 Wohnblocks (1972 bis 1982), ein Einkaufszentrum (1979), eine Schulsporthalle (1987) und eine Anzahl Einfamilienhäuser.

Neue Schule Gersdorf (1963)

© Text und Bilder aus Gersdorf-Möhrsdorf -Ortsbeschreibung mit historischen Ansichten- von Kurt Hartmann

 

 

 

Und so sieht Gersdorf heute aus

klassisches Straßendorf mit Waldhufenflur

7 km südwestlich der Stadt Kamenz und 

rund 35 km nordöstlich der Landeshauptstadt Dresden

1.170 Einwohner (Stand 31.12.2025)

Karoline-Rietschel Haus mit Kirche im Hintergrund

Im Karoline-Rietschel-Haus finden heute wechselnde Ausstellungen lokaler Künstler statt, die vom Heimatverein Haselbachtal e.V. organisiert werden. 

 

Ebenfalls wird das Haus für Trauungen genutzt. 

Viadukt

Der Bau der Eisenbahnverbindung Arnsdorf-Kamenz in den Jahren 1870-72 durch die königliche Sächsische Staatsbahn gehört zu diesen Baumaßnahmen. 

So sehr wie dieser Streckenverlauf zum einen zur gegenseitigen räumlichen Trennung der Dörfer Gersdorf und Bischheim führte, verbindet der gemeinsame Bahnhof diese beiden Orte.

Das Eisenbahnviadukt zur Überquerung des Haselbachtales stellt auch heute ein markantes Zeichen in unserer Landschaft dar. 

Grundschule Haselbachtal

In der Grundschule Haselbachtal lernen heute alle Grundschüler der 6 Ortsteile der Gemeinde Haselbachtal.